Coffe­in-Dynamik

 

 

 

Peter Bützer

 

Inhalt

 

1     Geschichte. 2

2     Vorkommen. 2

3     Charakterisierung. 4

4     Physiologische Eigenschaften. 6

4.1     Aufnahme. 8

4.2     Abbau, Elimination. 8

4.3     Wirkungen. 9

5     Toxizität 10

6     Synergismus mit Alkohol 11

7     Doping. 11

8     Simulation. 13

8.1     Messungen. 14

8.2     Vergleich von Messungen mit der Simulation. 15

8.3     Interpretation. 15

8.4     Wirksamkeit im Sport 17

9     Coffein als Insektizid. 19

10      Allgemeine Literatur 20

11      Aufgaben. 20

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaffee eine Droge?

1    Geschichte

 

Die ersten, die den Kaffeestrauch anbauten, um aus dessen Bohnen einen heissen, belebenden Aufguss zu bereiten, waren wahrscheinlich die jemenitischen Araber. Das Getränk nannten sie qahwa, das „Berauschende“. Im Jahre 1511 veranstaltete der Statthalter in Mekka, Khair-Beg, eine Anhörung, um zu klären, ob der Kaffee­genuss, der sehr um sich gegriffen hatte, mit dem Koran vereinbar sei. Die Gelehrten fanden, dass der Kaffee nicht trunken mache, wie der Wein, sondern den Verstand verdopple. Khair-Beg liess die Kaffeehäuser dennoch schliessen, weil sie Stätten der Aufruhr seien. Seit 1558 wird Kaffee in Europa in medizinischen und botanischen Werken erwähnt. Im 17. Jahrhundert hat der Kaffee in Europa Fuss gefasst. Wort­gewaltig haben die Reformatoren gegen den „Saufteufel“ gepredigt. Der Protestant Jean du Mont konterte: „Da der Schlaf dem Menschen mindestens einen Viertel seiner Lebens­zeit wegstiehlt, kann man die Mittel, die uns von dieser Knecht­schaft befreien können und uns helfen, eine so kostbare Sache wie die Zeit zurückzugewinnen, gar nicht genügend hoch einschätzen.“

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Kaffee in weiten Teilen Europas zum Volksgetränk geworden.

 

2       Vorkommen

 

Coffein, Theophyllin und andere sogenannte Methylxanthine findet man vor allem in den Beeren, Samen und Blät­tern des Teestrauchs, der Matepflanze sowie des Kakao- und Kolabaumes. Gewonnen wird es vor­wiegend aus Teeblättern (1,5 - 3,5% Coffeingehalt) und als Neben­produkt bei der Herstel­lung von coffein­freiem Kaffee. Mate (südamerikanische Teeart) hat bis zu 3,5%; Kolanuss: bis 6% Coffein.

 

Für die Kaffeepflanze (Coffea arabica) gibt es heute recht gute Hinweise, dass die Purinalkaloide genau in jenen Zeiträumen besonders hohe Konzentrationen aufweisen, in denen die Pflanze den Angriffen durch Herbivoren am stärksten ausgesetzt ist[1].

Seit alters verwendet man Extrakte verschiedener Pflanzen als Tees wegen ih­rer besonderen Eigenschaften. Die physiologische Wirkung ist in vielen Fällen auf den Ge­halt an Alkaloiden zurückzuführen. Alkaloide sind basische Pflanzenstoffe mit Stickstof­fen. Eine Pflanzenart enthält selten nur ein einzelnes Alkaloid, doch stehen die verschiedenen basischen Bestandteile gewöhnlich in enger Bezie­hung zueinan­der. So ist Coffein im Tee (Camellia sinensis) von einer Anzahl nahe verwandter Alkaloide begleitet.

 

Tabelle 1: Xanthinderivate und physiologische Wirkungen (Xanthin: R1 = R2 = R3 = H)

R1

R2

R3

ZNS- stimulierend

Herzwirkung

Diurese

Coffein

CH3

CH3

CH3

+++

+

+

Theophyllin

CH3

CH3

H

++

+++

+++

Theobromin

H

CH3

CH3

-

++

++

ZNS: Zentralnervensystem

Coffein gehört chemisch zur Gruppe der Purine und Alkaloide.

 

Vergiftungen mit Theobromin von etwa 0.5 - 1 g aufwärts verlaufen ähnlich wie beim Coffein. Theophyllin ist toxischer als die beiden anderen Substanzen.

 

Trimethylxanthine, wie Coffein, blockieren bestimmte Adenosin-Rezeptoren auf der Zelloberfläche von Nervenzellen, die daher nicht auf das beruhigend wirkende Adenosin ansprechen können.

Tabelle 2: Dosis Coffein in einer Tasse oder einem Glas mit 150 ml Inhalt (Normalgehalte)

Getränk

Gehalt (mg/150 ml)

übliche Einzeldosis (mg/150 ml)

Kaffee gemahlen

Espresso ca. 2/3

60 - 150

85

Kaffee löslich

40 -100

60

Kaffee entcoffeiniert

1 - 8

3

Maté

25 - 50

15

Tee (Schwarztee)

25 - 100

40

Kakao (je nach Zubereitung)

2 - 50

4

Energy - Drinks

30-50

48

Cola- Getränke

10 - 25

15

 

Coffein-haltige Erfrischungsgetränke sind Limonaden (z.B. Cola), die mindestens 65 mg/L und höchstens 250 mg/L Coffein enthalten. Die Verwendung von Coffein ist deutlich zu kennzeichnen. Energy Drinks dürfen bis zu 320 mg/L Coffein enthalten.

 

Nach Baltes (Lebensmittelchemie) werden folgende Werte gefunden: Kaffee geröstet: 1.3 - 2%, Tee: 3 - 3.5%. (Coffein wird beim Rösten von Kaffee nur wenig abgebaut; durch den allgemeinen Röstverlust steigt der relative Gehalt im Röstkaffee sogar etwas an.)

3       Charakterisierung

 

  • 1,3,7-Trimethylxanthine, 3,7-Dihydro-1,3,7-trimethyl-1H-purine-2,6-dione, Methyltheobromine, Methyltheophylline
  • SMILES: N1(C)C(=O)N(C)C2=C(C1=O)N(C)C=N2
  • CAS Nr. 58-08-2
  • Abbildung 1: Reines Coffein

    Aufbau: 1,3,7- Trimethylxanthin, ein Purinderivat, Coffein gehört chemisch zur Klasse der Alkaloide.
  • Struktur: nicht völlig flach, keine chiralen Zentren
  • C8H10N4O2, MG. 194.19 g/mol
  • Smp.: 235-237°C, beginnt bei 178°C zu sublimieren
  • d = 1.23 g/cm3
  • pH: 6.9 (1% wässrige Lösung)
  • schwache Base (Stickstoffe)

·        leicht löslich in heissem Wasser (1g in 46 ml, 2.17 g/100 ml); Wasser : 10-50 mg/mL, 23 C

o       95% Ethanol : 1 in 130,23 C

o       Methanol : Soluble

o       Aceton : 5-10 mg/mL,23 C

o       Andere Lösungsmittel:

o       Tetrahydrofuran: Soluble

o       Ether: 1 g/530 mL

o       Ethyl acetate: Soluble

o       Petroleum ether: Slightly soluble

o       Acetic acid: Soluble

  • Verteilungskoeffizient Kow (Octanol/Wasser) = 0.85,  log(Kow) = -0.07 (siehe Tabelle 3).
  • farb- und geruchlos, leicht bitter schmeckend.
  • E 268, Lebensmittelzusatzstoff
  • MRTD[2]: 10 mg/kg KG/Tag
  • LD(50) oral Ratte: 192 mg/kg
  • EU Classification: Symbol: Xn , R: 22, S: (2-)
  • UN Classification: UN Hazard Class: 6.1

 

 

Strukturformel

Räuliches Modell

„Skelett“

Elektronnendichte-verteilung

Raumfüllendes Modell

Kalottenmodell

Abbildung 2: Molekülmodelle von Coffein

Tabelle 3: LogKow; Log P Calculation (Verteilungskoaffizient Octanol-Wasser) (http://esc.syrres.com/interkow/kowdemo.htm): SMILES : CN(c2c1n(C)cn2)C(=O)(N(C)C1(=O))

NUM

FRAGMENT DESCRIPTION